Spanien und die Inquisition

Die Entwicklung in Spanien entsprach derjenigen in ganz Europa. Bereits 1215 schrieb Papst Innozenz III. auf dem 4. Laterankonzil die Kleidung der Juden vor. Der Talmud wurde zeitweise verboten und verbrannt. Als in den Jahren 1348 bis 1353 die Pest in ganz Europa wütete, wurden die Juden als vermeintliche Urheber der Seuche verfolgt. In Spanien mussten seit 1391 die Juden offiziell zwischen Hinrichtung und Zwangstaufe wählen. Mit der Einführung der Inquisition im Jahre 1480 unter Ferdinand von Aragonien und Isabella von Kastilien wurden zudem nicht mehr nur die Juden Ziel der Verfolgungen, sondern auch jene, die nur äusserlich zum Christentum konvertiert waren (Conversos), um ihr Leben zu retten.
Eine große Zahl dieser zwangskatholisierten spanischen und portugiesischen Juden wurde Opfer der Inquisition und starb auf dem Scheiterhaufen. Zwischen 1481 und 1808 wurden über 200'000 Juden vor die Gerichte der spanischen Inquisition gebracht. Mindestens 30'000 von ihnen wurden öffentlich hingerichtet. Nicht zuletzt auf Betreiben des durch Papst Innozenz VIII. beglaubigten Grossinquisitors Tomás de Torquemada wurden am 31. März 1492 mit Ausnahme der Conversos die Juden aus Spanien vertrieben. 1497 folgte auch ihre Ausweisung aus Portugal.

Christoph Kolumbus öffnet den Weg in die Neue Welt

Einige der vertriebenen Sephardim liessen sich in Lateinamerika nieder. Den Weg dazu hatte ihnen Christoph Kolumbus (Cristóbal Colón) geebnet. Er nannte sich einen «Knecht aus dem Hause David». Neue Quellen lassen vermuten, dass er tatsächlich ein zwangsgetaufter Jude war. Die erste Reise finanzierte Luis de Santagel, der Sohn eines getauften Juden. Kolumbus musste eine gute Verbindung zu ihm gehabt haben. Als die Flotte am 28. Oktober 1492 Kuba erreichte, schickte Kolumbus zwei Marranen als Kundschafter ins Land. Die Sephardim waren damit die ersten Europäer, die Kuba betraten. Kolumbus', Santagels und Sanchez' Anliegen war es, eine neue Heimat für die vertriebenen und enteigneten spanischen Juden zu finden.

Die zweite Expedition wurde mit jüdischen Geldern finanziert, die das königliche Herrscherpaar durch den Verkauf des konfiszierten jüdischen Besitzes einnahm.

Viele Juden und Conversos fanden später in Nord-, Zentral-, Südamerika und der Karibik eine neue Heimat. Doch die Inquisition folgte ihnen auch in diese so genannte «Neue Welt» (Mexiko, Peru u.a.) und liess sie nicht in Ruhe. Auch wer sich zwangstaufen liess und z.T. einen neuen Namen annahm, wurde trotzdem verfolgt oder umgebracht.

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Erstaunlich viele Juden leben heute in Nord-, Zentral-, Südamerika und in der Karibik, ohne sich ihrer wahren Identität bewusst zu sein. Aber in letzter Zeit entdecken viele von ihnen, dass ihre Originalwurzeln nicht in diesen Ländern zu suchen sind, sondern in Israel. So wächst in ihnen der Wunsch, sich mit ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen.